Kann man sich die Verwandtschaft, die Liebe wählen?
Die Natur hat feste Gesetze unter denen sich chemische Verbindungen auflösen und die Elemente neue Verbindungen eingehen. Doch dies ist sicherlich keine Wahl, sondern hängt von der zufälligen Gelegenheit ab, in der andere Elemente anwesend sind, welche diese Reaktionen anregen.
In den Wahlverwandtschaften von Goethe kann man diesem Gedankenexperiment nachspüren. Das Kleine Haus in Dresden entstaubt den Stoff und inszeniert ihn mit jungen Schauspielern. Das Bühnenbild, bestehend aus einer großen Plexiglaswand und einer Hängematte, strotzt von dem innovativen Geist im Kleinen Haus. So wird ein Feuerwerk zu einer Farbbeutelschlacht, indem die Helden die Farbbeutel gegen das Plexiglas werfen.
Eine glückliche Ehe ist der Ausgangspunkt des Beziehungsspiels von Goethe. Eduard und Charlotte lieben sich auf ihrem Gutshof. Braucht man mehr als den Geliebten, um glücklich zu sein? Das Experiment mag beginnen. Eduard möchte einen Freund als Spielgefährten auf den Hof holen, und so sieht sich Charlotte im Trotz dazu veranlasst ihre Freundin Ottilie, um Gesellschaft zu bitten.
Damit ist der Ringelbietz eröffnet und die Wahlverwandtschaften können gesucht werden, wobei es philosophisch immer noch offen ist, ob Glück oder Unglück aus der Konstellation erwächst. Aber es kommt, wie es kommen muss. Sie mit ihm, er mit ihr. Das Glück zerbricht.
Sollte man sein Glück herausfordern oder besteht überhaupt die Möglichkeit es zu konservieren, indem man sich von der Umwelt abschirmt?
Ein Loblied auf stabile Verbindungen wie die Ehe, wohl eher nicht. Der einleuchtendste Entwurf einer Partnerschaft ist der Eheschluß auf Zeit. Auf fünf Jahre heiratet man und dann kann jeder seiner Wege gehen, oder aber, man verbindet sich neu. Allerdings hat sich dieses Modell seit Goethe nicht durchgesetzt, also bleibt weiterhin das Kopfzerbrechen über die ewige Bindung.